Die Firma Euroquarz, Dorsten, beabsichtigt den Kiesabbau im Dobschleider Tal, das sich von Weilerswist in west-östlicher Richtung in Richtung Rösberg hinaufzieht und das FFH-Gebiet Waldville von einem südlich davon gelegenen Waldteil trennt. Das Tal ist ein bedeutsames Naherholungsgebiet und wird landwirtschaftlich genutzt. Das Projektgebiet Sonnenhof liegt in diesem Dobschleider Tal etwa 1,5 km östlich von Weilerswist und umfasst insgesamt eine Fläche von 42,8 ha.
Lage der Projektgebiete Weilerswist-Nord und Sonnenhof
Lage des Projektgebietes Sonnenhof
Verglichen mit dem Gebiet Weilerswist-Nord weist das Gebiet Sonnenhof deutlich geringere Kiesqualitäten auf. Laut Gutachten des Dr. Veerhoff , in welchem nunmehr sämtliche 15 verfügbaren Probebohrungen ausgewertet sind, ergaben sich
von der Kiesqualität A (hochreiner weißer Quarzkies) 34 Prozent gegenüber 89 Prozent in Weilerswist-Nord,
von der Qualität B 57 Prozent gegenüber 11 Prozent in Weilerswist-Nord
von der Qualität C 9 Prozent gegenüber 0 Prozent in Weilerswist-Nord.
Der Flächenverbrauch für 1000 Tonnen geförderten hochreinen Quarzkies würde am Sonnenhof mindestens 120 qm im Vergleich zu 29 qm in dem ergiebigeren Gebiet in Weilerswist-Nord betragen.
Von den 42,8 ha des Gebietes werden etwa 7 ha für die Errichtung eines neuen Kieswerks benötigt. Die verbleibenden 35,8 ha würden nach den Berechnungen des Diplom-Geologen Dr. Veerhoff maximal 2,5 Mio. Tonnen hochreinen weißen Quarzkies erbringen.
Ein Abbau allein in diesem Gebiet wäre deshalb - zusammen mit den sich aus genehmigten Kiesabbauvorhaben Witterschlick und Rheinbach - Flerzheim ergebenden Restmengen an hochreinem weißen Quarzkies von ca. 1,0 Mio. Tonnen - nicht geeignet, den Bedarf der Industrie an hochreinem weißen Quarzkies von 171. 000 Tonnen jährlich für 50 Jahre zu decken.
Aus wirtschaftlicher Sicht spricht gegen den Kiesabbau im Dobschleider Tal (Sonnenhof) ferner, dass er die Errichtung eines neuen Kieswerks erfordern würde: Die Betreiber des bei Weilerswist befindlichen Kieswerks sind nicht bereit, Verarbeitungskapazitäten für den Abbau am Sonnenhof zur Verfügung zu stellen. Da außerhalb des landwirtschaftlichen Verkehrs LKW mit über 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht die Wirtschaftswege des Gebiets nicht befahren dürfen, und der Abtransport der Materialien über eine Bandstraße am berechtigten Widerspruch der Waldeigentümer scheitert, ist die Durchführbarkeit des Abbaus problematisch. Auch im Falle einer Zustimmung aller Beteiligten zum Abtransport, würde dieser der Gemeinde Weilerswist weit größere Probleme bereiten als der Kiesabbau in Weilerswist-Nord, weil neben dem Abtransport des hochreinen weißen Quarzkieses auch der Abtransport der am Sonnenhof größeren Mengen an Sand und von Kies der schlechteren Qualitäten B und C erforderlich wäre.
Darüber hinaus dürften gegen den Kiesabbau im Dobschleider Tal Naturschutzargumente sprechen.
Ein Kiesabbau im Raum Sonnenhof würde - anders als ein Kiesabbau Weilerswist-Nord - den gesamten landschaftlichen Eindruck der Ville-Hochfläche zerstören.
Wie das Landesbüro der Naturschutzverbände NRW bereits in einem Schreiben vom 22. 05. 2003 dargelegt hat, liegt das Gebiet zwischen den bewaldeten Bereichen der Ville, die auch in ihrem südlichen Bereich FFH-meldewürdig sind, auch wenn nur der nördliche Teil offiziell gemeldet wurde. Ziel müsste es daher sein, die Vernetzung der Waldteile zu fördern, statt durch eine Abgrabung die Probleme zu vergrößern.
Das Dobschleider Tal ist ein geologisch schutzwürdiges Trockental, welches im GeoschOB-Kataster geführt wird. Im Maßnahmeplan des Zweckverbandes Naturpark Rheinland wird deshalb der Schutz dieser seltenen geologischen Formation angestrebt. Ein Kiesabbau würde diese geologische Formation zerstören.
Der Karl-Kaufmann-Wanderweg 2a von Brühl nach Trier, der auch von Freunden des Kottenforstes für dessen Ost-West-Durchquerung viel genutzt wird, quert das dort besonders reizvolle Dobschleider Tal. Dieser Wegabschnitt würde durch die entstehende Grube völlig entwertet.
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