Der Bereich Kottenforst-Ville im Naturpark Rheinland ist mit 40 Quadratkilometern Waldfläche das wichtigste Naherholungsgebiet des Großraums Köln-Bonn mit seinen rund 1,5 Millionen Menschen. Dieser Bereich gehört mit dem Siebengebirge und der Wahner Heide zu den wertvollsten Kulturlandschaften in NRW. Er ist Teil des landesweiten Biotopverbundes und repräsentatives Vorbild für die gesamte Landesentwicklung. Ziel ist die umfassende Erhaltung, Entwicklung und naturnahe Bewirtschaftung sowie die großflächige, zusammenhängende Sicherung dieser Kulturlandschaften.
Der Bereich Kottenforst-Ville ist zugleich Lagerstätte von Kiesen und Sanden. Deshalb ist er von Abbaubegehrlichkeiten der Kiesunternehmen bedroht. Die Abbaukosten für den weißen Kies betragen nur etwa ein Drittel des erzielbaren Bruttoertrages. Deshalb kämpfen die Kiesunternehmen darum, Kiesabbau im Bereich Kottenforst-Ville in unbeschränktem Umfang, d.h. nach den Regeln des Marktes betreiben zu können.
In einem "Nordrevier" nord-östlich von Weilerswist weist der Bereich Kottenforst-Ville auf einer Fläche von 22 Quadratkilometern bezogen auf eine Abbautiefe von 50 m unter Geländeoberfläche ein Gesamtvolumen von 341 Mio. Kubikmetern Quarzkies aus. Das Volumen für den Trockenabbau beträgt 286 Mio. Kubikmeter, das für den Nassabbau 55 Mio. Kubikmeter. Als wirtschaftlich interessant sieht der Geologische Dienst NRW daher allein das Nordrevier an (Projekt "Lagerstättenkarte von weißem Quarzkies im Raum Kottenforst/Ville" des Geologischen Dienstes NRW vom Januar 2004).
Die Kiesunternehmen haben den Bedarf an hochreinem weißen Quarzkies mit 700. 000 bis 1 Mio. Tonnen pro Jahr angegeben. Nach den Berechnungen des Diplomgeologen Dr. M. Veerhoff (Gutachten "Vergleichende Betrachtung der Lagerstätten mit hochreinem weißen Quarzkies im Bereich Kottenforst-Ville des Naturparks Rheinland zwischen Weilerswist und Flerzheim" vom 30. Mai 2007) würden das Dobschleider Tal und die gesamte Fläche von 400 ha im Nordrevier zwischen den Ortschaften Metternich, Hemmerich und Rösberg benötigt, um diesen angeblichen Bedarf im durch Landesrecht vorgeschriebenen Versorgungszeitraum von 2 mal 25 Jahren zu decken.
In einem "Südrevier" zwischen Buschhoven, Flerzheim, Lüftelberg und Witterschlick ist auf Grund des hohen Grundwasserstandes Kies größten Teils nur im Nassabbau zu gewinnen. Den Kiesunternehmen des Südreviers geht es hier vor allem auch darum, ihre Betriebe im Bereich Kottenforst-Ville unmittelbar südlich und östlich von Buschhoven nach Ausschöpfung der bereits für den Abbau genehmigten Flächen nicht einstellen zu müssen. Dafür ist der Hinweis auf die angebliche Unverzichtbarkeit der Gewinnung von hochreinem weißen Quarzkies und auf die Unbedenklichkeit einer Kiesabgrabung ausgerechnet im Bereich Kottenforst-Ville ein probates Mittel.
Der Kiesabbau wird betrieben bzw. ist beabsichtigt von
- dem Kieswerk Rheinbach, einer Tochtergesellschaft der österreichischen Strabag, das bei Flerzheim abbaut und nach Norden erweitern will,
- den Quarzwerken Witterschlick, die zu den Quarzwerken Frechen gehören, die bei Witterschlick abbauen und nach Süden erweitern möchten,
- der Firma Euroquarz, Dorsten, die am Sonnenhof im Dobschleider Tal abbauen möchte, und
- den Rheinischen Baustoffwerken, einer Tochtergesellschaft von RWE, die ihren Abbau nördlich von Weilerswist nach Norden erweitern möchten.
Diese Unternehmen verkaufen den weißen Quarzkies
- an die weiterverarbeitende Industrie,
- für industrielle Zwecke, für die an sich auch weniger wertvolle Kiessorten genügen würden,
- an private Haushalte, die ihn vor allem für Haus und Garten verwenden, und
- an ausländische Abnehmer.
Hätten die Kiesunternehmer mit ihren Abbauplänen im Bereich Kottenforst-Ville auch in Zukunft Erfolg, wären Unversehrtheit und Erholungsfunktion des Kottenforstes in wenigen Jahrzehnten dahin. In erheblichem Umfang geschädigt würden nicht nur die Wald- und Erholungslandschaften, sondern auch Orte wie Buschhoven, Volmershoven und Rösberg, weil sie zu Grubenrandsiedlungen degradiert würden und ihre Attraktivität für die Bevölkerung drastisch leiden würde.
Der Bereich Kottenforst-Ville im Naturpark Rheinland hat überdies Offenlandbereiche zwischen verschiedenen Waldteilen. Diese sind aus Sicht des Naturschutzes besonders sensibel. Wenn dort der Kiesabbau vorgesehen würde, würden die Vernetzungsfunktionen der Waldteile zerstört. Dies gilt beispielsweise für das Dobschleider Tal und den Villerücken zwischen Kottenforst und Wehrbusch bei Buschhoven.
Derzeitige Kiesgrube Flerzheim
Die Landschaftsschutzvereine Vorgebirge e. V. mit Sitz in Bornheim und Kottenforst e. V. mit Sitz in Buschhoven haben daher folgende Überlegungen angestellt:
Den Bedarf der hochreinen weißen Quarzkies weiterverarbeitenden Industrie wird man wohl decken müssen, nicht nur aus ökonomischen Erwägungen, sondern weil das nordrhein-westfälische Landesrecht (Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen vom 21.05.1995 (GVBl. NRW S. 532) das so vorschreibt. Dieser Bedarf ist in einem Gutachten des Diplom-Geologen "Die Gewinnung von Quarzkies im Raum Kottenforst-Ville und dessen volkswirtschaftliche Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland" vom 24.03.2006 auf Grund von Rückfragen bei Industrieverbänden und umfangreicher sonstiger Recherchen mit 171.000 Jahrestonnen ermittelt worden.
Eine vernünftige, sachgerechte und nachvollziehbare Abwägung der gegensätzlichen Interessen führt dazu, nur diesen Industriebedarf aus dem Bereich Kottenforst-Ville und - soweit vorhanden - aus den Braunkohlenabbaugebieten zu decken und nur diesen Industriebedarf zur Bemessungsgrundlage für die Ausweisung eines Abgrabungsbereiches im Regionalplan zu machen. Im Übrigen sollte auf die reichlich vorhandenen Kiese minderer Qualität verwiesen werden, die in anderen Gebieten gewonnen werden und für die meisten Verwendungszwecke voll genügen.
Durchsetzbar wird diese Beschränkung der Nachfrage allerdings nur durch eine bewusste Verknappung des Angebotes aus dem Raum Kottenforst-Ville. Es sollte daher nur ein einziges Kiesabbaugebiet im Bereich Kottenforst-Ville im Regionalplan (Konzentrationszone) ausgewiesen werden. Wer trotzdem Vermarktungsmöglichkeiten ausschöpfen will, muss dies aus anderen nationalen Quellen oder auf dem internationalen Markt tun. Wer Quarzkies aus dem engeren regionalen Rahmen ausführt und die Regeln der Marktwirtschaft für sich in Anspruch nimmt, muss auch die Zuführung dieses Rohstoffes von außerhalb akzeptieren.
Das Kieswerk Rheinbach hat im Jahre 2003 beantragt, seine derzeitige Kiesgrube im Umfang von 76 ha um 30 ha bis auf 300 m an Buschhoven und um bis auf 400 m an die Kiesgrube Witterschlick heran zu erweitern. Es wird in dieser Absicht von der Industrie- und Handelskammer Bonn und der Stadt Rheinbach, der Nachbarstadt der Gemeinde Swisttal, unterstützt. Die Bergbehörde in Dortmund hat diesen Antrag zunächst abgelehnt, ist aber aufgrund eines Verwaltungsgerichtsurteils des VG Köln aufgefordert, diesen Antrag erneut zu bescheiden.
Der Kottenforst am Ortsrand von Buschhoven
Die Bezirksregierung Köln lehnt allerdings völlig zu Recht die Nord-Erweiterung Flerzheim ab und ist nicht bereit, eine entsprechende Abgrabungsfläche im Regionalplan zu berücksichtigen.
Im Frühjahr 2008 haben die Quarzwerke Witterschlick gegenüber der Bezirksregierung Köln und der Bergbehörde in Dortmund ihre Absicht geäußert, die Kiesgrube Witterschlick um 20 ha nach Süden zu erweitern. Da die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsstudie seit Februar vorliegen, ist davon auszugehen, dass das bergrechtliche Genehmigungsverfahren für dieses Projekt demnächst eingeleitet wird. Die Mehrzahl der zuständigen Fachbehörden und Verbände, insbesondere auch die Bezirksregierung Köln, hat erhebliche Bedenken gegen eine Süd-Erweiterung der Kiesgrube Witterschlick.
Die Firma Euroquarz aus Dorsten möchte am Sonnenhof im Dobschleider Tal östlich von Weilerswist Kies abbauen. Die Bergbehörden und die Industrie- und Handelskammer Bonn befürworten einen solchen Kiesabbau und werden dabei von der Bezirksregierung Köln unterstützt. Auch dieses Gebiet ist nicht geeignet, bei langfristiger Deckung des Industriebedarfs die Unversehrtheit des Bereichs Kottenforst-Ville zu garantieren.
Nord-östlich von Weilerswist liegt nach allen geologischen Erkenntnissen das Gebiet, das im Bereich Kottenforst-Ville die mächtigsten Vorkommen an hochreinem weißen Quarzkies aufweist. Die Landschaftsschutzvereine stimmen daher - falls sich der Kiesabbau im Bereich Kottenforst-Ville aus landesplanerischen Gründen als unumgänglich erweist - dem Kompromiss zu, dort ein Gebiet von 15.8 ha (Abbaufläche, einschließlich Böschungs- und Abstandsflächen laut Gutachten der Betreibergesellschaft Rheinische Baustoffwerke) für den Kiesabbau vorzusehen. Dieses Gebiet würde - zusammen mit den Gebieten, in denen der Quarzkiesabbau im Kottenforst bereits genehmigt ist - bei einem Abbau von 171. 000 Tonnen pro Jahr die landesplanerisch vorgeschriebene Versorgung der Industrie für 50 Jahre mit hochreinem weißen Quarzkies sicherstellen. Der Bereich Kottenforst-Ville würde im Übrigen von weiteren Kiesabbgrabungen verschont bleiben.
Wenn Sie die einzelnen Textseiten studieren, erkennen Sie, welche Methoden ein Teil der am Kiesabbau interessierten Unternehmen, Verbände und Behörden anwendet, um zum Erfolg zu kommen.
Den beiden Landschaftsschutzvereinen bleibt in dieser Situation nur die Möglichkeit, beharrlich und glaubwürdig sich mit allen verfügbaren rechtlichen Mitteln zur Wehr zu setzen.
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